Unsicherheit bei der Verwendung offener Bildungsmaterialien

Die Nutzung von Open Educational Resources (OER) oder auch einfach nur lizenzfreien Fotos und Grafiken ist bei mir fast immer von einem unguten Gefühl begleitet. 

Mir fehlt oft schlicht und ergreifend das Vertrauen, dass das was ich da vor mir habe tatsächlich das ist wofür ich es in dem Moment halte. Nämlich dauerhaft offene Bildungsmaterialien die ich – eventuell unter bestimmten Auflagen (z.B. Namensnennung) – kostenlos weitergeben, bearbeiten und veröffentlichen darf.

Ist der vermeintliche Urheber auch wirklich der Urheber?

Im Grunde genommen, kann sich doch jeder PDFs, Präsentationen, Videos & Co aus dem Internet zusammensuchen und auf seinem Notebook oder Smartphone abspeichern. Anschließend lädt er seine Fundstücke als angeblich von ihm selbst erstellte Open Educational Resources anonym auf eine entsprechende Plattform hoch. Andere User verbreiten sie “guten Gewissens”  weiter. Aber was passiert, wenn der tatsächliche Urheber davon Kenntnis erlangt und eventuell rechtliche Schritte einleitet?

Einmal OER – immer OER?

Anderes Szenario: Voller jugendlichem Idealismus hat ein Student eifrig umfangreiche Open Educational Resources erstellt und regelmäßig online geteilt. Einige Jahre später sieht seine persönliche Situation anders aus. Frau, Kind, Auto, Haus, Urlaub – jetzt braucht er dringend Geld. Ein Verlag lockt mit einem lukrativen Buchprojekt – die Gelegenheit sein Wissen endlich zu versilbern. Aber niemand kauft ein Buch dessen Inhalt kostenfrei im Internet verfügbar ist. Jeder Urheber hat das Recht zu entscheiden was mit seinem Werk geschieht, aber was ist wenn er seine Meinung später ändert?

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Für den einen war es ein Freundschaftsdienst, für den anderen sein Geschäftsmodell …

Ich nenne sie mal “inoffizielle OER” – Bildungsmaterialien die “im kleinen Kreis” unter Seminarleitern ausgetauscht werden. Das kennen wahrscheinlich sehr viele – nur die wenigstens dürften im Hinblick darauf allerdings schon einmal eine schriftliche Vereinbarung ausgehandelt und unterschrieben haben. Wie sichert man sich trotzdem gegen ärgerliche Missverständnisse bzw. einen handfesten Rechtsstreit ab?

Fazit: Mein Misstrauen scheint mir derzeit noch angebracht. Etliche juristische Aspekte sind – wie oben ausgeführt – meiner Ansicht nach unverändert ungeklärt. Mir ist auch keine verlässliche Quelle für Open Educational Resources im Bereich der Erwachsenenbildung bekannt. Und selbst wenn es bereits so etwas wie Mindeststandards im Hinblick auf Qualität, Lizensierung usw. gäbe, käme bei mir als nächstes die Frage nach Prüfkriterien, Kontrollinstanzen usw. auf.

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